Familienhund - Jagdhund?

Ich möchte meinen Hund als Jagdhund ausbilden! Wie geht das?

Immer wieder fragen Hundebesitzer in unserer Hundeschule nach einer Jagdhundeausbildung: Ihr Hund hätte einen guten Jagdtrieb, eine gute Nase, hätte großes Interesse an Wildtieren, sei ihnen schon häufig hinterhergelaufen und hätte möglicherweise sogar schon Wild gefangen. Um ihn seinen Anlagen entsprechend führen zu können, soll er nun als Jagdhund ausgebildet werden. Wie geht man da vor?

 

Voraussetzungen für eine Jagdhundausbildung

Wer einen Hund jagdlich ausbilden möchte, sollte ein oder mehrere geeignete Reviere zur Verfügung haben, in denen die Arbeiten im Feld, im Wald und die Wasserarbeit geübt werden können. Der / die Revierpächter müssen ihr Einverständnis für die Hundeausbildung in ihrem Revier geben.

 

Der Hund sollte einer Jagdhunderasse angehören. Ausführliche Infos zu den in Deutschland am häufigsten eingesetzten JGHV-anerkannten Jagdhunderassen findet Ihr hier.

 

Die Prüfungsordnungen und Zulassungsbestimmungen für die jagdliche Brauchbarkeitsprüfung für Hunde sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In einigen Bundesländern werden nur JGHV-anerkannte Rassen zugelassen, in anderen auch Kreuzungen zweier JGHV-anerkannter Jagdhunderassen.

 

Voraussetzung für die Ausbildung eines Jagdhundes ist außerdem der gültige Jagdschein.

Das Führen der Waffe und das Erlegen von Wild bei der Hundeausbildung und im späteren Jagdbetrieb sind nur mit Jagdschein möglich. Informationen zur Jägerausbildung bekommst Du bei Deinem Landesjagdverband. Diese Verbände sind dann nochmals in Kreisgruppen aufgegliedert, wobei fast jede Kreisgruppe jährlich einen Jagdscheinkurs anbietet.

Alternativ gibt es auch eine Reihe privater Jagdschulen, die man im Internet findet.

 

 

Die Ausbildung eines Jagdhundes

Die Jagdhundeausbildung beginnt bereits im Welpenalter beim Züchter.

Hier wird er auf die jagdliche Umgebung und die später zu jagenden Wildtierarten geprägt, macht über Futterschleppen erste Erfahrungen im richtigen Einsatz seiner Nase, wird positiv an den Schussknall herangeführt, lernt Wasserarbeit kennen etc.

 

Sein neuer Besitzer wird dann ab der 8. Woche neben der Grundausbildung die Apportier- und Fährtenarbeit aufbauen. Rassespezifisch kommen auch das Vorstehen, Stöbern, die Bauarbeit u.a. hinzu.

 

Zwischen dem 6.und 18. Monat legen alle Jagdhunde i.d.R. ihre Jugendprüfung ab. Diese dient hauptsächlich dazu, die angeborenen Anlagen des Hundes zu beurteilen. Fragen wie:

- ist seine Nasenleistung ausreichend

- besitzt er einen angemessenen Fährtenlaut?

- besitzt er genügend Wildschärfe,

- hat er eine übermäßige Abneigung zur Wasserarbeit

- besitzt der Hund eine angeborene Schusscheue,

- ist er übermäßig nervös, ängstlich oder aggressiv

werden hier geklärt.

 

Erweist sich der Hund als geeignet, wird jetzt intensiv an allen Fächern geübt, die er später ausüben soll.

Die meisten Hunde in Jägerhand sind vielseitige Jagdgebrauchshunde. D.h. sie werden in allen Fächern ausgebildet ohne sich auf eine bestimmte Arbeit zu spezialisieren.

Im Gegensatz dazu werden Schweißhunde ausschließlich für erschwerte Nachsuchen ausgebildet, Stöberhunde werden an das planmäßige und selbständige Stöbern herangeführt und Bauhunde werden intensiv an die Arbeit im Kunst- und Naturbau gebracht.

 

Neben geplanten und gezielt aufgebauten Übungen spielt auch der regelmäßige Reviergang eine wichtige Rolle. Viele jagdlichen Situationen können nicht künstlich zu Übungszwecken nachgestellt werden sondern ergeben sich spontan im Revier. Frische Fährten, ein frisch vom Bock gefegtes Bäumchen, Wildtierlosung, ein neu angelegter Fuchsbau sind gute Übungsmöglichkeiten für den Hund. Wenn plötzlich dicht vor Hund und Jäger Wild wechselt, kann hier z.B. die Standruhe geübt werden.

Unschätzbar wertvoll sind vor allem die Gelegenheiten, in denen der Hundeführer in Anwesenheit seines Hundes ein Stück Wild erlegen kann und der Hund anschließend das geschossene Stück suchen und apportieren bzw. anzeigen darf. Hier hat der Hund dann endlich das Erfolgserlebnis, nach welchem er ständig strebt: Zusammen mit seinem Menschen Beute machen.

 

Schwarzwildgatter:

Bei den heute flächendeckend vorkommenden und immer größer werdenden Wildschweinbeständen muss ein Jagdhund lernen, mit einem Wildschwein angemessen umzugehen. Hierzu ist der Besuch im Schwarzwildgatter wichtig. Hier werden Jagdhunde unter kontrollierten Bedingungen an Wildschweine herangeführt. Ein Jagdhund sollte den Drang haben, Wildschweine zu finden, sie durch intensives Bedrängen in Bewegung zu setzen oder, falls dies nicht gelingt, sie durch spezifisches Bellen anzuzeigen. Dies mit dem notwendigen Mut und Durchsetzungsvermögen, mit dem richtigen Laut (Spur- und Standlaut) und ohne sich dabei selbst zu gefährden.

Der Hundeführer kann im Gatter seinen Hund bei der Wildschweinbegegnung aus nächster Nähe unterstützen. Der Hund lernt so, angemessen an Wildschweinen zu arbeiten, diese in ihrer Wehrhaftigkeit richtig einzuschätzen und sich bei der Arbeit nicht selbst zu gefährden.

 

Ich möchte ja nur hin und wieder eine Nachsuche machen...“

Solltet Ihr vor allem die Nachsuche als Ausbildungsziel im Auge haben, macht Euch bewusst, dass hier nach der Grundausbildung vor allem die Praxis, also viele absolvierte echte Nachsuchen, das Gespann zu einem guten Nachsucheteam werden lassen. 2-3 echte Nachsuchen im Monat sollten es mindestens sein (und 2-3 Kunstfährten), um Euch voranzubringen. Ihr solltet also nicht nur selbst eine Jagdgelegenheit haben, sondern auch eine Reihe von Jägern in Eurer Nähe kennen, die Euch bereits in Eurer Lernphase für eine anstehende Nachsuche zu Hilfe rufen werden.

Nicht zu vergessen ist, dass auch der Hundeführer an seiner Fitness, seiner Schießfertigkeit und seinen Kenntnissen der Pirschzeichen (Schnitthaar, Blut, Gewebeteile, Knochensplitter etc. am Anschuss) üben sollte.

 

Die Nachsuche:

Dieser Fall ist eine selten vorkommende Ausnahmesituation. Der Jäger hat ein Reh oder ein Wildschwein beschossen, welches aber nicht im unmittelbaren Bereich des Anschusses verendet sondern geflüchtet ist. Jetzt gilt es, das verletzte Tier so schnell wie möglich zu finden und von seinen Schmerzen zu erlösen.

Darüber hinaus geht es auch darum, dass das Wildbret noch verwertet werden kann. Wird das möglicherweise verendete Wildtier zu spät gefunden, ist das Fleisch nicht mehr verwertbar. Das Tier ist dann umsonst gestorben.

Bei einer Nachsuche auf ein verletztes Reh oder Wildschwein (die am häufigsten vorkommenden Nachsuchen) sollte der Hundeführer in der Lage sein, anhand der Pirschzeichen am Anschuss (Schnitthaar, Blut, Gewebeteile, Knochensplitter etc.) die Art und Schwere der Verletzung einzuschätzen, um die Suche ggf. abzubrechen und einen Spezialisten, also einen bestätigten Schweisshundeführer, hinzuzuziehen.

Bei der Suche am Schweissriemen geht es oft auch mal längere Strecken durch schier unbezwingbares Gelände - und dann kann es innerhalb von Sekunden um Leben oder Tod gehen.

Ein zu spät abgegebener oder schlecht gezielter Schuss auf ein angreifendes Wildschwein kann zu schweren Verletzungen beim Hund oder Hundeführer führen und hat in der Vergangenheit nicht wenigen guten Schweißhunden das Leben gekostet.

Gleichzeitig muss jederzeit die Sicherheit unbeteiligter Personen gewährleistet sein. Vor der Schussabgabe muss der Hundeführer trotz aller Dringlichkeit immer für sicheren Kugelfang sorgen, darf also nicht in Richtung Straßen, Wegen, Häusern, gegen steinigen Boden oder gegen den Horizont schießen.

 

Wer seinen Hund jagdlich einsetzen will, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es bei allen Arbeiten nach dem Schuss darum geht, verletztes Wild so schnell wie möglich zu finden und zu erlösen. Nicht der Spaß für den Hund steht hier an erster Stelle, sondern die Pflicht, ein verletztes Wildtier so schnell wie möglich zu erlösen.

Daher sind gut arbeitende, geprüfte Hunde für die Nachsuche sehr gefragt. Schlecht arbeitende bzw. halb- ausgebildete Hunde und deren Führer können dazu führen, dass das Leid des Wildtieres unnötig verlängert wird oder dass es schlimmstenfalls gar nicht gefunden wird und so einen langen qualvollen Tod stirbt.

 

Auch über die Risiken, denen der Hund ausgesetzt ist, sollte der Hundeführer sich im Klaren sein. Jagdhunde haben das Glück, ihre Passion unter gelenkten Bedingungen ausleben zu können. Die Kehrseite ist, dass sie vielen Gefahren ausgesetzt sind, schwere Verletzungen erleiden können und möglicherweise nicht an Altersschwäche sondern im Jagdeinsatz sterben.

 

Unser Rat an Besitzer von jagdlich ambitionierten Familienhunden:

Ein gewisser Jagdtrieb ist in so gut wie jedem Hund angelegt. Schließlich stammen sie vom Beutegreifer Wolf ab. Das bedeutet aber nicht, dass auch jeder Hund sich jagdlich betätigen muss, um ein erfülltes Hundeleben zu führen.

 

Wieso „ jagen“ manche Hunde dann?

Viele „jagdlich ambitionierte“ Familienhunde haben sich ihr Verhalten selbst beigebracht, weil sie sich auf den üblichen Spaziergängen schlicht und einfach langweilen und ihre eigene Beschäftigung suchen.

Anfangs trifft der Hund vielleicht zufällig auf die frische Fährte eines Rehs, welches vor kurzem hier gekreuzt hat, und sein Interesse ist geweckt. Er geht ihr ein Stück hinterher, Herrchen / Frauchen hat davon nichts mitbekommen und läuft wie gewohnt immer im selben Tempo den bekannten Weg entlang. Laangweilig!

Bald kennt der Hund die üblichen Stellen, an denen Wildtierfährten zu finden sind und sucht sie gezielt ab. Irgendwann sieht er dann z.B. ein Reh vor sich flüchten. Das will er sich unbedingt näher ansehen, also muss er hinterher. Zwar verliert er es schnell aus den Augen und kann auch der Fährte nicht weit folgen, außerdem hat Herrchen/Frauchen gerufen. Aber das Erlebnis war sehr aufregend, das will er unbedingt wieder haben! Von nun an sucht er gezielt nach diesem Geruch und lernt, der Fährte immer weiter zu folgen. Er möchte unbedingt wieder eine Wildtierbegegnung haben. Von nun an gibt er die Verfolgung nicht mehr so schnell auf, wenn er erst mal ein Wildtier vor sich hat und Herrchens oder Frauchens Rufe werden jetzt ignoriert. Zurückgekommen wird erst, wenn er die Verfolgung endgültig aufgegeben hat, das kann auch schon mal eine halbe Stunde oder länger dauern.

 

Arbeitet besser jeglichem Interesse an Wildtieren bei Eurem Hund entgegen!

Bietet Ihm stattdessen lieber anspruchsvolle jagdliche Ersatzbeschäftigungen an!

 

Überlasst Euren Hund auf Spaziergängen nicht sich selbst, nur um ungestört eigenen Gedanken nachhängen oder mit der Freundin quatschen zu können. Ein Hund hat keinen Sinn für „Spazierengehen, das schöne Wetter und die Landschaft genießen“. Seine Interessen sind in erster Linie: Informationen über andere Hunde, die hier vorbeigekommen sind, sammeln, selber welche verteilen (Duftmarken setzen) und Beute machen.

Gestaltet also Eure bisher langweiligen Spaziergänge zu spannenden Ausflügen für den Hund, bei denen er Beute machen kann. Bietet ihm Herausforderungen und helft ihm, diese zu meistern. Arbeitet mit ihm zusammen und lasst ihn sich sein Futter verdienen. Das macht Spaß, wird die Bindung zwischen euch und eurem Hund stärken und Ihr werdet vermutlich über die Fähigkeiten, die in Eurem Hund stecken staunen.

 

Was für Herausforderungen könnten das sein?

Mit einer gut gestalteten Fährtenarbeit oder einem Mantrailing ca. 2x die Woche in Kombination mit körperlicher Bewegung (neben dem Fahrrad, beim Joggen, Schwimmenetc.) sind viele Hunde schon vollends ausgelastet.

Andere lieben es, schwierig im Gelände versteckte Ersatzbeute/Beutedummys zu suchen und zu bringen. Dies kann man täglich in die Spaziergänge einbauen.

Nasen- und Dummyarbeit sind vielfältig kombinierbare Aufgaben, die von ganz einfach bis hin zu sehr anspruchsvoll gestaltet werden können. Wenn Ihr nicht wisst wie ihr das aufbauen sollt, dann sucht Euch eine Hundeschule, die Euch an diese Arbeiten heranführt.

Und das Beste: Damit werden weder Wildtiere noch Ihr oder Euer Hund gefährdet.

 

- Carola Wrede

Hundeberatung Weißgerber
Bahnhofstr. 1
56850 Enkirch

Tel. 0170 36 790 56

 

Öffnungszeiten:

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Do 16-18 Uhr

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